Demhat Agit, außenpolitischer Sprecher der KCK

Mosul – Die Türkei hat mehrere hundert Soldaten und 20 bis 25 Panzer im Rahmen einer Ausbildungsmission für die Peschmerga der Demokratischen Partei Kurdistan (KDP) in die Baschika-Region von Mosul im Nordirak geschickt. Dies gehe türkische Medien zufolge auf eine Vereinbarung der türkischen Regierung mit dem KDP-Vorsitzenden Masud Barzani am 04. November zurück.

Im Irak und in Kurdistan löste dies große Aufregung aus. Fuad Massoum, irakischer Staatspräsident und Mitbegründer der Patriotischen Union Kurdistan (PUK), hat die Türkei zum Abzug ihrer Truppen aufgerufen. Die Verlegung der türkischen Soldaten sei ein Verstoß gegen das Völkerrecht und werde zu regionalen Spannungen führen, erklärte Massoum am Samstag. Auch die Regierung in Bagdad forderte Ankara auf, seine Truppen aus dem Nordirak abzuziehen und nennt den Einmarsch türkischer Truppen im Norden einen „feindlichen Akt“. In US-Regierungskreisen hieß es, die Truppenbewegung erfolge nicht im Rahmen der US-geführten Anti-IS-Koalition, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Auch die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) kritisiert diese Truppenbewegung mit scharfen Worten. Das Ziel der Türkei sei nicht die Bekämpfung der IS-Terrromiliz, sondern die Besetzung von Südkurdistan, sagte Demhat Agit, außenpolitischer Sprecher der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), eine Dachorganisation der kurdischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), in einem Gespräch mit dem Radiosender „Radyoya Dengê Kurdistanê“.

„Die KDP diffamierte uns als eine „Besatzungskraft“ in Südkurdistan, aber sie haben keine Probleme damit, die türkischen Besatzer ungestört nach Südkurdistan einzuladen. Denn die türkische Besatzungsarmee befindet sich auf Wunsch der KDP in Südkurdistan. Sie sind nun seit mehr als 20 Jahren in Südkurdistan stationiert. Das Ziel der Türkei ist nicht die Bekämpfung der Terrormiliz IS in Mosul, ihr eigentliches Ziel ist die Besetzung, die Vergrößerung ihrer Präsenz und Herrschaft in Südkurdistan. Auch wollen sie die aktuellen Errungenschaften der Kurden vernichten. Sie wollen sowohl Südkurdistan als auch den Irak bekämpfen, vor allem aber die PKK“.

Weiter sagte der außenpolitische Sprecher der KCK Folgendes: „Für die Türkei geht es nicht um die Verteidigung der Kurden und Südkurdistan. Als der IS große Teile Südkurdistans besetzte, als Shingal und Makhmur fielen und der IS kurz vor den Toren der Hauptstadt Hewlêr stand, hatte der türkische Staat Südkurdistan im Kampf gegen den IS keinerlei unterstützt. Ob Kurden oder IS, für die Türkei spielt es keine Rolle. Für sie sind nur ihre eigenen Interessen relevant. Erst nachdem die kurdischen Peschmerga, Guerilla und YPG-Kräfte im Kampf gegen den IS in Süd- und Westkurdistan große Erfolge erzielten und den IS weiter zurückdrängten, versucht die Türkei mit ihrer Truppenverlegung zu zeigen, sie würden dabei die Kurden unterstützen. Das ist eine sehr große Lüge. Niemand soll da reinfallen.“

„Wir rufen allen politischen Kräfte in der Autonomen Region Kurdistan dazu auf, sich nicht auf die falschen Spiele der Türkei einzulassen. Sie müssen dagegen eine klare Position beziehen. Die Kurden haben die Kraft, den IS zu bekämpfen. Sie brauchen dazu nicht die Hilfe der Besatzer. Wie können die Kräfte, welche uns als eine Besatzungskraft auf südkurdischem Boden diffamierten, die Stationierung der türkischen Armee in Südkurdistan hinnehmen? Jeder muss darüber diskutieren und eine klare Haltung dagegen zeigen“, so Demhat Agit, außenpolitischer Sprecher der KCK.

kn

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