Zwei Kämpferinnen der kurdischen YPJ (Foto: facebook.com/YPG)

Sinan Yesilyurt- Auf der einen Seite haben wir das Assad-Regime: Es wird vom Iran, von der Hisbollah – einer von Teheran finanzierte Schiiten-Miliz – und von Russland politisch sowie militärisch unterstützt.

Dann haben wir die sogenannten „Aufständischen“:

Diese teilt man in „moderate Rebellen“ – wie sie von den westlichen und amerikanischen Medien gerne genannt werden – und „radikale Rebellen“.

Zu den „moderaten Rebellen“ gehört einerseits die FSA (Freie Syrische Armee). Sie ist keine Armee im eigentlichen Sinne, sie hat auch keine einheitliche Führung.

Dann hatten wir mal die „New Syria Forces“, eine von den USA ausgebildete und finanzierte Rebellentruppe. Diese sollten ausschließlich gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ kämpfen. Stattdessen wurde sowohl von Überläufern zum IS berichtet wie auch von Waffen, die von den USA für die Rebellen gedacht waren, aber beim IS landeten. Das Pentagon hat mittlerweile das 500-Millionen-Dollar-Programm gestoppt. Nun ja, blöd gelaufen.

Zum Schluss haben wir noch die SDF (Demokratischen Kräfte Syriens), ein Militärbündnis, in dem die kurdischen YPG/YPJ, die moderate sunnitisch-arabische Armee der Revolutionäre (Dschaisch ath-Thuwar), der assyrisch-aramäischen Militärrat der Suryoye (MFS) und weitere kleine Gruppierungen vertreten sind.

Das war es mit den „moderaten Rebellen“. Zu den radikalen Aufständischen gehören neben dem „Islamischen Staat“, Dschaisch al-Fatah, ein Bündnis aus moderaten und radikalen Gruppen, wie die Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen und manch andere.

Die „moderaten Rebellen“ werden von den USA und vom Westen politisch bzw. militärisch zur Bekämpfung des IS unterstützt. Saudi-Arabien, der Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützen, zur Bekämpfung von Assad und KurdInnen, die „radikalen Rebellen“.

In diesem ganzen Wirrwarr gibt es noch einen dritten Weg, der der YPG und YPJ. Wie der ganzen Welt bekannt, sind KurdInnen bisher die einzigen, die den IS wirklich die Stirn bieten konnten. Die YPG/YPJ werden von den USA und indirekt von Russland durch Luftschläge unterstützt.

Nun kommen wir zu dem Land, das durch seine Außenpolitik völlig für Verwirrung sorgt und kaum durchschaubar ist: die Türkei.

Die Türkei hat nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges „moderate Rebellen“ gegen das Assad-Regime trainiert und bewaffnet. Danach, als diese „moderaten Rebellen“ mehr und mehr an Macht verloren, fing man an, die radikal-sunnitischen Gruppierungen zu unterstützen. Angefangen von der Al-Nusra-Front bis zum „Islamischen Staat“ hat die Türkei direkt (Beweise vorhanden) und indirekt Extremisten unterstützt.

Während man im Vorjahr eine gute wirtschaftliche Beziehung zu Russland aufbaute (Lebensmittel zu günstigem Gas), wird der Vorfall mit dem Abschuss von russischen Militärflugzeugen, diese engen wirtschaftlichen Beziehungen auf lange Sicht zerrütten. Während Erdogan mehrmals den Rücktritt von Assad forderte, „stelle er sich jetzt eine Übergangsregierung mit Assad vor“.

Dazu kommt, dass die Türkei KurdInnen bombardiert. Einerseits PKK-Stellungen, andererseits auch YPG/YPJ-Stellungen in Kobanê und Girê Spî (Tall Abyad). YPG und YPJ werden von den USA und Russland gegen den IS, direkt und indirekt unterstützt.

Zusammengefasst: Die Türkei befindet sich in der Anti-IS-Koalition, unterstützt aber direkt und indirekt den IS und andere radikal-sunnitische Gruppierungen. Zuerst war man gegen Assad, dann konnte man sich eine Übergangsregierung mit ihm vorstellen. Russen, ein guter Partner? Nein, die Russen haben bereits mit wirtschaftlichen Sanktionen gedroht. Von den USA verlangt man seit längerem vergeblich eine Pufferzone in Rojava (Nordsyrien). Dazu kommen noch die innenpolitischen Probleme. Diese sind aber genauso undurchschaubar und zukunftslos wie ihre Außenpolitik …

kn

2 KOMMENTARE

  1. Sehr guter Bericht mit Interesse gelesen. Auf die Kurden kann man zählen. Das kurdische Volk muss endlich höchste Beachtung in der Welt finden und möglichst unabhängig werden. Vielleicht gibt es dann mehr Ruhe im Nahen Osten und einen demokratischen kurdischen Staat. Das wäre der Welt zu wünschen.

  2. Ich verfolge die Aktivitäten der YPJ und YPG von Deutschland aus mit Interesse und großer Sympathie. Mein Herz schlägt für das Selbstbestimmungsrecht aller Völker – also auch des kurdischen Volkes. Ich sehe eine Zukunft für ein vereinigtes und unabhängiges Kurdistan unter folgenden Voraussetzungen:

    1.) Kooperation mit den BRICS-Staaten, Deutschland, Frankreich und Israel.

    2.) Verhandlungen mit Teheran und Damaskus (moderiert von Russland).

    3.) Beendigung der Gewalt zwischen Ankara und der PKK, denn Anschläge gegen türkische Ziele schaden der HDP in der Türkei und der PYD in Rojava.

    4.) Setzt keine zu großen Hoffnungen auf die USA. Sie werden enttäuscht.

    5.) Zwischen den politischen Strömungen in Deutschland und Kurdistan sollten die ideologischen Scheuklappen abgelegt werden. Alle Deutschen und Kurden müssen zusammenhalten. Vor allem müssen die Deutschen lernen, entspannter mit den hier lebenden Kurden/Jeziden und den kurdischen und jezidischen Flüchtlingen umzugehen. Wir sitzen alle im selben Boot.

    Ich werde jetzt Tausende auf Eure Facebook-Seite einladen. Mal sehen, was dann passiert.
    Noch ein Tipp: Geht auf http://www.Zwischenbuchhandel.de, meldet Euch zum Partnerprogramm an und baut einen Banner in Eure Seite ein. Das ist unabhängig von Amazon und bringt Euch evtl. regelmäßige Einnnahmen zur Finanzerung Eurer Arbeit.

    Viel Glück und Erfolg!

    Michael Krämer
    http://www.facebook.com/zwischenbuchhandel

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT