Grünen-Chef Özdemir sieht die Türkei auf dem Weg zum "Mini-Pakistan" (Bild: fb.com/Cem)

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dessen Kurdenpolitik mit scharfen Worten kritisiert. „Wir können nicht wegschauen, wenn ein Land, das bis gestern noch in die EU wollte, sich unter Erdoğan in ein Mini-Pakistan mit einem autoritären Herrscher direkt an der europäischen Grenze verwandelt“, sagte Özdemir der „Passauer Neuen Presse“. „Ich sehe ein Land, das ohne Not durch seinen Herrscher ins Chaos gestürzt wird.“

Erdoğan hat in Sachen IS „beide Augen zugedrückt“

Der türkische Staatspräsident Erdoğan habe die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bislang weitgehend widerstandslos gewähren lassen, bemerkte Özdemir. Er habe in Sachen IS „bisher beide Augen zugedrückt“, es gebe sogar Berichte, dass Erdoğan den IS aktiv unterstützt habe, fügte der Grünen-Chef hinzu.

Özdemir ist der Ansicht, dass es Erdoğan nicht darum ginge den IS-Terror zu bekämpfen. Das Vorgehen der Türkei gegen die IS-Terrormiliz sei rein symbolisch. Damit wolle Erdoğan den Westen nur täuschen. „ Es werden kaum Stellungen des IS angegriffen, relativ wenig IS-Anhänger in der Türkei verhaftet“, so der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir.

„Unter dem Vorwand, die ISIS zu bekämpfen, den islamistischen Terrorismus in Syrien und im Irak, macht die Türkei eigentlich einen Feldzug gegen die Kurden“, kommentierte der Grünen-Politiker die momentane Lage der Türkei im Gespräch mit Phoenix.

Nach der mutmaßlichen Terrorattacke des IS in der kurdischen Stadt Pirsûs (Suruc), bei dem 32 junge Menschen starben, flog die Türkei eigenen Angaben nach erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien, aber auch auf das PKK-Hauptquartier in Südkurdistan (Nordirak). Daraufhin hat die kurdische Arbeiterpartei PKK den seit 2013 bestehenden Waffenstillstand mit Ankara für „bedeutungslos“ erklärt. Das türkische Militär greift nicht nur PKK-Stellungen an: Das YPG-Kommando von Kobanê teilte am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit, die türkische Armee habe in der Umgebung von Kobanê mehrere ihrer Stellungen beschossen und dabei vier Anti-IS-Kämpfer und Zivilisten verletzt. Auf einer Pressekonferenz erklärte der türkische Staatspräsident Erdoğan am Dienstag den Friedensprozess mit den Kurden offiziell für beendet.

Experten sind der Überzeugung, dass die Türkei vielmehr den Einfluss der Kurden in Syrien zurückdrängen will als den des IS. Ankara galt bis dato als wichtigster Unterstützer des IS.

kn

1 KOMMENTAR

  1. An dem Tag an dem Erdogan die absolute Mehrheit verloren hat und die Hdp ins Parlament gewählt wurde, wusste man schon, das gibt Ärger. Der Sultan meint, das die Kurden ihre Sprache sprechen, ohne dafür im Gefängnis zu landen, sollte doch wohl reichen. Seine türkische Ehre ihre ist verletzt. Nun kommt die wahre (lange verborgene) Seite doch zum Vorschein. Wenn man nicht die komplette türkische Geschichte in den Schulen lehrt, dann denken immer noch die meisten Türken, der Boden, worauf sie leben, sei die Türkei.

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