Gelo Isa, führender Politiker der PDKS

Gelo Isa, führender Politiker der Kurdisch Demokratischen Partei in Syrien PDKS (nicht zu verwechseln mit der Barzani-nahen PDK-S) sprach gestern mit dem Kurdish Affairs-Experten Mutlu Civiroglu über die Angriffe der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) auf Kobanê.

MC: Können Sie uns bitte erklären, was genau heute in Kobanê passiert ist?

GI: Als erstens möchte ich den Familien der Gefallenen mein herzliches Beileid aussprechen und den Verletzten wünsche ich eine rasche Genesung. Die IS-Terroristen griffen heute Morgen gegen 5 Uhr Ortszeit die Stadt Kobanê an. Dabei trugen sie YPG-Uniformen und gaben sich als Mitglieder der Freien Syrischen Armee FSA an. Sie sind von der Türkei aus nach Kobanê eingedrungen. Mit den ersten Schüssen gingen die Zivilisten auf die Straßen und wurden anschließend von den Terroristen getötet. Im Dorf Berch Botan südlich von Kobanê, wurden 23 Zivilisten hingerichtet. Dieses Dorf wurde bereits wieder befreit. Die Terroristen, die sich noch in der Stadt aufhalten, wurden an drei verschiedenen Stellen umzingelt. Die Stadt ist jetzt vollkommen unter Kontrolle der YPG.

MC: Sie sagten, dass die IS-Terroristen über die Türkei kamen, was die Türkei jedoch dementiert. Was sagen Sie dazu?

GI: Die IS-Terroristen sind von der Türkei aus nach Kobanê eingedrungen. Das können auch Augenzeugen bestätigen. Zudem schmuggelten sie ihre Waffen unter dem Namen unserer Verbündeten von der FSA, die der Burkan al-Firat unterstehen. Diese können bekanntlich problemlos nach Kobanê kommen und gehen. Sie benutzten deren Logos. So kamen sie mit ihren Waffen nach Kobanê. Es kann auch sein, dass die IS-Mitglieder schon zuvor in dieser Form nach Kobanê gekommen sind. Es waren aber keine militärische Angriffe auf die YPG, sondern die Zivilisten und Ärzte waren die Zielscheiben der Terroristen. Sie haben nicht die Zentren der YPG oder der Asayish (Sicherheitskräfte) angegriffen. Sie haben das Volk terrorisiert. Sie drangen in die Häuser ein und richteten die Zivilisten hin.

MC: Sie sagten, dass die Angriffe im Dorf Berch Botan, südlich von Kobanê, angefangen haben und dann in die Stadt verlagert wurden. Stimmt das?

GI: Ja das stimmt. Sie kamen über dieses Dort hinein. Sie drangen dort in die Häuser ein und richteten alle Dorfbewohner, darunter Frauen und Kinder, im Süden des Dorfes hin. Insgesamt wurden 23 Zivilisten hingerichtet.

MC: Sie sagten alleine in diesem Dorf kamen 23 Zivilisten um. Von wie vielen Toten sprechen wir insgesamt?

GI: Wie viele Zivilisten in der ganzen Stadt ihr Leben verloren haben, kann ich derzeit noch nicht sagen. Es gibt noch keine bestätigten Zahlen. Bisher wurden über 50 Verletze nach Nordkurdistan (Osttürkei) gebracht.

MC: Sie wurden auch angegriffen, stimmt das?

GI: Ja, als wir auf der Straße waren wurden Schüsse auf uns gefeuert. Wir wurden aber nicht getroffen.

MC: Gibt es auch andere Wege, über die die Terroristen eindringen können, also außerhalb der Norden der Stadt Kobanê?

GI: Wir, also unsere Sicherheitskräfte wissen wie viele über die Grenze in die Stadt kamen. Es gibt keinen anderen Weg, außer über die Türkei. Es wurden vier Autos mit je drei oder vier Insassen reingelassen. Die Zahl der getöteten IS-Terroristen beträgt 16. Aber die Zahl der IS-Terroristen, die derzeit in der Stadt in Kobanê kämpfen, ist höher. Und diese können nur über die Türkei gekommen sein. Es gibt keinen anderen Weg.

MC: In den letzten Tagen haben YPG große Erfolge verzeichnet. Die Zivilisten waren die Zielscheibe dieser Angriffe, wie soll man das beurteilen?

GI: Der IS wollte mit diesen Angriffen lediglich zeigen, dass es ihn noch existiert. Die Angriffe auf die Zivilisten dienten lediglich der Aufmunterung ihrer Einheiten. Auch in den Staaten, in denen die Sicherheitslage hoch ist, können die Terroristen solche Angriffe ausüben. Wir werden uns selbstverständlich dem Angriff nicht beugen. Wir werden weiterhin unser Volk und unsere Heimat verteidigen. Der IS hat keine Zukunft. Die Zukunft gehört uns und unser Volk.

kn

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