Ismet Hesen: "Der Kampf dauert so lange, bis der letzte IS-Kämpfer aus der Stadt vertrieben ist."

Der Verteidigungsminister von Kobanê, Ismet Hesen, der in einem Exklusivinterview gegenüber dem Analysten der kurdischen Frage, Mutlu Çiviroğlu, die aktuelle Lage in Kobanê bewertete, erklärte, dass Kobanê seit 115 Tagen einen historischen Widerstand leiste. Hesen unterstrich dabei, dass der Widerstand Kobanê‘s der Widerstand von Freiheitskämpfern sei.

„Kobanê wird nicht erst seit 115 Tagen belagert, sondern schon seit ungefähr zwei Jahren“, verdeutlichte Hesen und fügte hinzu, dass die KämpferInnen der YPG/YPJ mit all ihrer Kraft und erhobenen Hauptes gegen die Angriffe des IS standhalten.

„Heute sind es die Kurden, die im Mittleren Osten dem IS die Stirn bieten“, zeigte er auf und betonte, dass ihr Widerstand fortgeführt werden würde.

Hesen, der auf die Erstarkung des IS aufmerksam machte, führte mit folgenden Worten seine Analyse fort: „Obwohl Kobanê so klein ist, fiel die Stadt nicht und sie wird nicht fallen. Erst gestern wurde ein großer Angriff erfolgreich zurückgeschlagen und dabei sind sieben Terroristen getötet worden.“

„Der IS hat große Städte wie Mosul einnehmen können, aber dass sie Kobanê nicht einnehmen konnten, hat die ganze Welt beobachtet. Das ist der Grund, weshalb der IS uns noch stärker bekämpft“, sagte Hesen.

„Jeden Tag säubern wir die Häuser und die Straßen von den Terroristen – die Freiheit ist nahe“, setzte Ismet Hesen fort. „Wir haben es dem kurdischen Volk, unseren gefallenen Kameraden versprochen, Kobanê wird nicht fallen“, sagte der kurdische Verteidigungsminister weiter.

Momentan würden die Kämpfe vorrangig an der Ostfront und in der Umgebung des Mistenur-Hügels stattfinden. Zu den Meldungen, Kobanê würde sich zu 80 Prozent unter der Kontrolle der YPG/YPJ befinden, gab er folgende Erklärung ab:

„Ich kann den Prozentsatz nicht genau beziffern, aber ich kann sagen, dass wir die meisten Gebiete der Stadt von den Terroristen befreit haben. Erst wenn wir mitteilen können, dass in Kobanê und in den Dörfern der Umgebung kein einziger IS-Extremist mehr ist und wir Kobanê zum Grab der Terroristen gemacht haben, können wir sagen, dass Kobanê unter unserer Kontrolle ist.“

Weiterhin brachte der Verteidigungsminister seine Zufriedenheit über die Unterstützung der Anti-IS-Koalition zum Ausdruck und fügte hinzu, dass außer den Luftangriffen die kurdischen Verteidiger auch schwere Waffen benötigen würden.

Hesen verurteilte den gestrigen Angriff in Frankreich auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und machte deutlich, dass die Taten des IS menschenverachtend wären. „Wir werden seit zwei Jahren belagert, stehen vor einigen Problemen und können nicht einmal unsere Verwundeten über die Grenze bringen, damit sie versorgt werden. Unser Volk will zurück in ihre Häuser, es gibt aber keinen Korridor und die humanitäre Versorgung ist unzureichend. Darum muss die Welt unsere Stimme hören und uns helfen. Vor allem benötigen wir auch Unterstützung beim Wiederaufbau der Stadt“, deklarierte Hesen.

Ismet Hesen machte auch klar, dass er und seine an der Front kämpfenden zwei Söhne sowie seine Tochter sich immer und mit all ihrer Kraft gegen eine derartige Bedrohung der IS, der Massaker verübe, Vergewaltigungen ausübe und Heimstätte von Menschen zerstöre, stellen würden.

kn

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