YPG-Kämpfer in Westkurdistan (Bild: ANHA)

Şoreş Hesen, Pressesprecher der YPG hat in einem Interview gegenüber dem Analysten der kurdischen Frage, Mutlu Çiviroğlu, die aktuelle Lage in Kobanê beurteilt.

Es wird berichtet, dass an der Ostfront heftige Zusammenstöße stattfinden, können Sie uns darüber informieren?

Ja das ist wahr. Seit einer Woche leisten wir an der Ost- und Südfront einen einmaligen Widerstand. Die IS-Terroristen greifen uns mit schweren Waffen, Autobomben, Panzern, Mörsern und selbstgemachten Bomben an. Wir konnten jedoch all diese Angriffe zurückdrängen.

Obwohl diese Angriffe seit einer Woche weitergehen, wurde in den Medien, seien es kurdische oder internationale, kaum darüber berichtet. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dieses Schweigens? Was war das Ziel des IS bei den letzten Angriffen?

Leider haben einige andere Themen die Aufmerksamkeit der Medien in andere Richtungen gelenkt. Dessen ungeachtet gehen die heftigen Kämpfe weiter. Wir wehren uns hier heldenhaft und dies weckt das Interesse der Öffentlichkeit der YPG gegenüber, was den IS stört. Deswegen hat der IS uns stärker und heftiger angegriffen. Das Ziel der Angriffe war das Stadtzentrum und der Grenzübergang zur Türkei. Dadurch wollte der IS uns schwächen die Stadt übernehmen, was ihnen jedoch nicht gelang. Ein Ziel des IS war auch das Verhindern der internationalen Unterstützung, die der YPG gegeben wird.

Der IS behauptet, dass er über einen großen Teil der Stadt herrscht. Über wie viel Prozent der Stadt verfügen Sie momentan?

Die Welt weiß, dass der IS-Vormarsch seit 20 Tagen gestoppt ist. Die YPG konnte den Vormarsch der Terroristen im Stadtzentrum auch stoppen. Wir haben die Terroristen nicht vollständig zurückdrängen können, aber sie können sich nicht mehr vorwärts bewegen. Das soll aber nicht bedeuten, dass hier totale Ruhe herrscht. Im Gegenteil, es gibt heftige Gefechte. Die Terroristen versuchen am Tag 5-6 Mal vorzudrängen. Auch 5 Minuten vor diesem Interview explodierte eine Autobombe. Bis jetzt wurden etwa 20 Autobomben gesprengt. Bei diesen Angriffen haben wir keinen einzigen Verlust erlitten.

Wie beurteilen Sie die Sprengung von Autobomben? Verübt der IS solche Angriffe, weil er verliert oder ist das eine neue Strategie, die Druck auf die YPG üben soll?

Die Angriffe des IS haben vor 46 Tagen angefangen. Bis jetzt hat sich der IS durch Angriffe mit schweren Waffen, Mörsern und Panzern durchdrängen können. In Gegenden wie Stadtzentrum macht er von Autobomben Gebrauch, um vorwärts zu kommen. Wir hatten jedoch versprochen, dass wir Kobanê zum Grab von unseren Feinden machen werden. Soeben halten wir unser Versprechen ein. Jedes Mal, wenn der IS uns angreift, erleidet er schwere Verluste, da es hier kein Entkommen gibt. Deswegen versucht der IS mit Autobomben einen psychischen Druck auf uns auszuüben.

Einigen Quellen zufolge soll der IS ihre Kommandeure in Kobanê ausgewechselt haben, stimmt das?

Wir sind im Krieg und müssen alles verfolgen. Manchmal können wir beobachten, dass die Kämpfer während einem Angriff bis zu drei Mal ausgewechselt werden. Wir hingegen können von morgens bis abends die Stellung halten und uns bestens wehren. Ich bin überzeugt, dass der IS auch die Kommandeure auswechselt, so wie es bei den Kämpfern gemacht wird.

Können Sie mehr über Ihre Kämpfer erzählen, die tapfer die Stellung halten?

Wenn man weiß, dass man recht hat, so hat man vor nichts Angst. Das, was wir über einen Kämpfer sagen können, gilt auch für ein Volk und für ein Land. Unsere Feinde wollten und wollen uns bis jetzt nur vernichten. Wir kämpfen für unsere Rechte und für unser Volk. Kobanê ist die Stadt des kurdischen Volkes, des Kurdistans. Wir werden nicht zulassen, dass dreckige Hände Kobanê berühren. Das ist auch unseren Kämpfern bewusst und deswegen kämpfen sie unter allen Umständen. Während die Terroristen bei ihren Angriffen Pausen einlegen, kämpfen unsere Kämpfer weiter, trotz Hunger, Durst, Kälte und Schlaflosigkeit.

Und was können Sie über die Ankunft von Peschmerga-Einheiten sagen?

Der Schutz von Kobanê ist die Pflicht aller Kurden. Das ist auch eine Aussage der Peschmerga. Das gilt nicht nur für Kobanê, sondern auch für Hewlêr, Amed und Mahabad. Die Ankunft der Peschmerga steigert unsere Motivation, wir freuen uns sehr darüber.

Und was können Sie über die FSA-Einheiten sagen?

Eigentlich gibt es nicht zu viel darüber zu sagen. Es ist nicht etwas Neues, jedoch wurde ihre Ankunft zur Tagesordnung. Ich rede offen, die FSA wird nicht viel bewirken können. Ihre Ankunft ist rein politisch. Ich möchte betonen, dass wir von einer neuen FSA-Gruppe reden. Es sind 50 Personen, die Rede von 1300 Personen stimmt nicht. Wir haben mit ihnen geredet, sollen sie uns unterstützen, so sollen sie es an anderen Fronten tun. Und das wollten sie nicht, weil es rein politisch ist und weil es sich andere Kräfte hinter ihnen befinden. Ihre Absicht konnten sie jedoch nicht durchsetzen. Die Gruppen der FSA wie Suvar Rakka, Şemsi Şimal, Cephetul Ekrad und andere haben auch früher in Kobanê gekämpft und dabei 30 KämpferInnen verloren.

Der 1. November wurde zum Weltsolidaritätstag mit Kobanê erklärt und in diesem Rahmen werden Aktionen organisiert. Was wollen Sie darüber sagen?

Wir begrüßen all diese Proteste und Aktionen. Alle, einschließlich der Türkei sollen dem Terror und der Unterdrückung der Völker Stopp sagen. An dieser Stelle möchte ich allen, die uns tatkräftig unterstützen, herzlich danken und wünsche bei den 1. November Aktionen viel Erfolg.

 

Twitter-Account: @mutludc

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