Kämpferinnen der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ

Kommentar von Fatos Koyuncuer und Gamze Eren

Im Kampf gegen die Terrormiliz IS trifft man in Rojava/Westkurdistan an jeder Front auf Frauen, die in den ersten Reihen einen einzigartigen Beitrag leisten. Nicht nur die Befreiung ihres Heimatlandes, welches von IS-Milizen unter Beschuss steht, liegt in ihrem Fokus, auch die Durchbrechung der archaischen Gesellschaftsstrukturen ist den Kämpferinnen ein Anliegen. Sie, die kurdische Frau, kämpft jedoch nicht seit gestern auf Augenhöhe mit ihren Genossen, Frauenbataillone stellen also keine neumodische Errungenschaft im kurdischen Befreiungskampf dar, diese sind viel mehr tief verwurzelt in der Geschichte derselbigen.

Mit einem stetigen Lächeln auf dem Gesicht wurden jedoch die mutigen Kämpferinnen der Frauenverteidigungseinheiten YPJ neuerdings zum Symbol des Widerstandes und gleichzeitig auch zum Alptraum der IS-Terroristen. Denn unter diesen wird gemunkelt, dass der Tod durch die Hand einer YPJ-Kämpferin ein Hindernis für den Eintritt in das heiß ersehnte Paradies, samt den 72 Jungfern, darstellt.

Heute machen die Frauen etwa einen Drittel der Volksverteidigungseinheiten aus. Andauernd stoßen neue dazu, nachdem sie eine Ausbildung zur Kämpferin absolviert haben. Die Beweggründe ihrer Teilnahme sind meistens persönlich, mal ist es ein Familienmitglied, der im Krieg fiel oder ihr Wille der Unterdrückung und den Ungerechtigkeiten zu entkommen, die sie veranlassen, zu kämpfen. Entschlossen ziehen die meist jungen Frauen in den Krieg, indem sie auf alles andere – das alltägliche, sichere Leben als Studentin oder ihrer Rolle als Mutter- verzichten. Die Befreiung ihres Heimatlandes, die Verteidigung der Rechte ihres Volkes sowie die Rechte der Frau stilisieren sich zu dem edelsten Ziel aller Intentionen der kurdischen Frau im Kriegsgebiet.

Mayssa Abdo zum Beispiel, bekannter unter dem Decknamen Narin Afrin, Kommandeurin der Volksverteidigungseinheiten und einer der Gründerinnen der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten (YPJ), verliehen die westlichen Medien den Titel „die Löwin von Kobanê“ . In einem Interview erklärte sie: „Zusammen mit den Männern haben unsere Kämpferinnen an allen drei Kampflinien in Kobanê brutale Angriffe der Terroristen abgewehrt. Hunderte Frauen kämpfen und kämpften hier. Viele von ihnen kehren nicht mehr zurück. Auf dem Schlachtfeld gibt es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern.“

Diese und ähnliche Einblicke in das Leben der mutigen Pionierinnen sorgten dafür, dass ihr einzigartiger Kampfgeist kurzerhand ein Echo in den Medien fand. Überall wurde und wird von den mutigen Frauen Kobanês berichtet. Ihre Bereitschaft für die Unabhängigkeit zu sterben, ist zum Symbol geworden. Dies hat auch dazu geführt, dass sich Frauen aus der ganzen Welt mit ihrem Kampf identifizieren und sich folglich der YPJ anschließen. Eine davon sei die israelische Veteranin, welche momentan im Irak ihre Ausbildung zur Kämpferin absolvieren würde, um dann Seite an Seite mit den kurdischen Kämpferinnen gegen den IS zu kämpfen. Auch drei Mitglieder einer armenischen Familie tragen ihren Beitrag zur Gerechtigkeit und Frieden bei, indem sie der Asayîş (Sicherheitskräfte) beigetreten sind. Einer dieser Frauen betont, dass sie in der demokratischen Verwaltung von Rojava sich in ihre Sprache und ihre Kultur entfalten können. Sie sei der Asayîş beigetreten, um die Werte ihrer Gesellschaft zu verteidigen. „Wir arbeiten hier an Themen, die Frauen betreffen und versuchen die Frauen hier in Rojava bei ihrer Entscheidungen zu unterstützen“ sagt die junge Asayîş-Beamtin. Auch die ägyptische Aktivistin und Feministin Dr. Newal El Sadawi äußerte sich zum Kampf der kurdischen Frau, indem sie einen Brief verfasste. In ihrem Brief ließ sie verlauten, dass die kurdische Frau in Kobanê nicht nur für sich, sondern für die Identität und Würde aller Frauen kämpfe. In diesem Schreiben unterstrich sie auch die Komponente der Gleichberechtigung von Mann und Frau und betonte, dass die kurdische Frau der Welt gezeigt habe, dass Mann und Frau gleich seien und, dass sogar die Frau viel mehr als einen Mann bewältigen könne.

Die Entschlossenheit und Stärke der kurdischen Frau entging auch der Rojavas selbstverwaltete Regierung nicht. So hat diese, zum Schutz der Frau, neue Gesetze verabschiedet. Drei wichtige davon sind:

  1. Das Verbot der Polygamie. In Rojava darf ein Mann nicht mehr als eine Ehefrau zur gleichen Zeit ehelichen.
  2. Die Untersagung der Zwangsheirat. Gegen den Willen und ohne Zustimmung der Frau darf die Ehe in Rojava nicht erfolgen.
  3. Sofern keine schwerwiegenden Gründe für die Unzumutbarkeit der Ehe vorliegen, kann die Ehe gerichtlich nur durch Zustimmung der beiden Paare aufgelöst werden.

Dies ist eine Revolution im Mittleren Osten, eine Kampfansage an die systematische gesellschaftliche Unterdrückung der Frau. Ein Umsturz der herrschenden, autarken Verhältnisse – die Rechte der Frau wurden mit dieser Bestimmung rechtlich legitimiert . Es ist ein Tauziehen zwischen dem drohenden Kalifat, ferner der somit einhergehenden Freiheitsberaubung der Frau, und dem Umsturz der Gesellschaft mit dem archaischen Verständnis betreffend der Rolle der Frau.

In der Welt der IS-Milizen wäre die Frau niemals privilegiert, ihr würde das Mitspracherecht verweigert werden. Die kurdische Frau hingegen genießt ihren Ruf als Freiheitskämpferin und verleiht dadurch auch den Frauen, die verschleppt, vergewaltigt, gesteinigt oder verkauft werden, eine Stimme. Das sind die Frauen, die den sogenannten Gotteskriegern die Stirn bieten.

kn

1 KOMMENTAR

  1. Genauso ist es !
    Kämpft und fordert gleichzeitig für die geleisteten Dienste
    eure Rechte mit Brief und Siegel ein.
    Ihr seid tapfer und klug.
    Alle – gerechte – Welt steht auf eurer Seite !

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