Welat Omer versorgt im Krankenhaus von Kobanê einen jungen Mann, der am Arm verletzt ist. (Quelle: BILD)

In einem Interview gegenüber Denge Amerika hat sich der Arzt Dr. Welat Omer über die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in Kobanê geäussert.

Wie ist die aktuelle Lage in Kobanê?


Hier, wo ich mich gerade befinde, gibt es ausschliesslich Zivilisten. Die Einheiten der YPG haben todesmutig gekämpft und die IS-Terroristen aus der Stadt vertrieben. Dennoch ist die Gefahr hier in Kobanê noch nicht vorüber. Es gibt Angriffe auf Zivilisten, zum Beispiel werden Krankenhäuser angegriffen. Das Ziel des IS ist, die Vertreibung der Bevölkerung, die sich noch hier befindet. Sie können im Hintergrund die Gefechte hören. Eben fiel ein Mörser und verletzte einen Zivilisten. Deswegen musste ich auch das Interview abbrechen, um den Verletzten zu behandeln.

Den Nachrichten zufolge, seien keine Zivilisten in der Stadt. Sie reden aber von Zivilisten, die dort leben und angegriffen werden. Wie viele Zivilisten befinden sich gegenwärtig in Kobanê?

Es gibt Zivilisten. Ich behandele am Tag 10 – 15 Personen. Das sind dann meistens die, die für ihre Grundbedürfnisse wie Wasser und Essen ihre Häuser verlassen und dabei von Mörsern oder anderen Waffen getroffen werden. Es gibt immer noch ca. 5000 Zivilisten hier in Kobanê. Unter ihnen befinden sich auch chronisch Kranke, die zu uns kommen müssen. Die Zivilisten verlassen ihre Häuser aber wirklich nur dann, wenn sie müssen.

Können Sie uns über die gesundheitliche Situation informieren? Wie viele Krankenhäuser gibt es, habt ihr genügend Medikamente?

Wir hatten drei Krankenhäuser, alle wurden von IS-Terroristen zerstört. Wir haben ein kleines provisorisches Krankenhaus geöffnet, im dem wir, etwa acht Ärzte, die Verletzten, seien es YPG-Kämpfer oder die Zivilisten, behandeln. Behandeln können wir hier jedoch nur Leichtverletzte. Alle, die operiert werden müssen oder einer speziellen Behandlung bedürfen, schicken wir nach Nordkurdistan. Aufgrund von Platzmangel haben wir ein paar Stationen errichtet, besser gesagt, ein paar Häuser in Behandlungsstationen umgewandelt, wo wir die Verletzten behandeln.

Hier möchte ich mich auch gerne, bei allen, die uns mit Medikamenten unterstützt haben, bedanken. Jedoch möchte ich sagen, dass wir noch mehr Medikamente brauchen. Uns gehen die Medikamente sehr schnell aus. Damit wir hier wirklich kompetent arbeiten können, müssen wir alle 3 – 4 Tagen mit neuen Medikamenten versorgt werden.

Sind die internationalen Organisationen über die gesundheitliche Situation in Kobanê informiert und schicken sie ihnen Medikamente?

Ja, sie sind informiert. Wir haben auch von ihnen Medikamente bekommen aber es reicht nicht. Wir müssen kontinuierlich mit Medikamenten versorgt werden, da wir von YPG-Kämpfern bis zu Zivilisten, alle behandeln.

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