Asya Abdullah, die Co- Vorsitzende der Partei der Demokratischen Union (PYD)

Köln, Deutschland – Asya Abdullah, die Co- Vorsitzende der Partei der Demokratischen Union (PYD), hat in einem Telefongespräch mit der kurdischen Nachrichtenagentur Firat (ANF) die aktuelle Situation des Kantons Kobanê in Westkurdistan, welcher seit dem 15. September von der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) mit schweren Waffen, die aus Irak und Syrien erbeutet wurden, angegriffen wird, erläutert.

Abdullah sagte im Gespräch, dass die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) einen historischen Widerstand gegen die Angriffe des IS leisten und bemerkte, dass die IS-Terroristen nun 2-3km vor dem Stadtzentrum von Kobanê stehen. Im Folgenden geben wir die wichtigen Stellen des Telefongesprächs wieder.

ANF: Wie ist die aktuelle Situation in Kobanê?

Sowohl die Angriffe des IS als auch der tapfere Widerstand der YPG/YPJ- Einheiten gehen seit dem 15. September unvermindert weiter. Der Widerstand setzt sich fort. Zunächst wollen wir klar stellen, dass Kobanê niemals aufgegeben wird. Heftige Gefechte finden momentan am Rande des Stadtzentrums, das nun auch mit Mörsergranaten angegriffen wird, statt.

ANF: Einige Medien- und Presseagenturen berichten, dass der IS in das Stadtzentrum von Kobanê eingedrungen sei. Entsprechen diese Meldungen der Wahrheit?

Diese Berichte, die behaupten Kobanê sei gefallen und die Kurden hätten sich zurückgezogen, dienen nur der Propaganda. Diese Berichte entsprechen nicht der Wahrheit. Kobanê leistet seit März Widerstand und ist der Geburtsort der Revolution von Rojava. Der Widerstand wird sich im Geiste der Revolution fortsetzen. Das kurdische Volk soll wissen, dass hier ein neues Epos geschrieben wird. Wir leisten Widerstand mit einer geringen Anzahl von Kämpfern und haben nur begrenzte Möglichkeiten. Einige erwarten den Fall von Kobanê, aber diese werden enttäuscht sein. IS greift uns mit der Unterstützung, die sie von den regionalen Mächten erhalten an, insbesondere Waffen, aber sie werden trotzdem nicht siegen.

ANF: Was ist das Ziel der Angriffe auf Kobanê?

In Kobanê wollen sie die vergangenen Massaker von Halabja, Anfal und Shingal wiederholen. Ihr Ziel ist einen Völkermord an der kurdischen Bevölkerung zu verüben. Ihre auf Massaker angelehnte Politik wird von reaktionären Kräften aus der Region und internationalen Mächten unterstützt. Sie wollen, dass sich unser Volk ergibt, aber unser Volk leistet Widerstand. Die Kurden bilden die am besten organisierte und fortschrittlichste Bewegung im Nahen Osten. Wer unsere Kapitulation erwartet, liegt falsch. Der IS plündert die Dörfer, entführt und massakriert die dort lebenden Menschen und beschlagnahmen das Hab und Gut der Menschen.

ANF: Wie ist die Haltung der dort lebenden arabischen Bevölkerung?

Das Ziel der IS ist es einen Konflikt zwischen der kurdischen und arabischen Bevölkerung zu schaffen. Araber wollen die von der IS eroberten Gebiete verlassen. Wir werden aber uns nicht täuschen lassen und unseren Kampf, basierend auf den Grundwerten der Demokratie und Brüderlichkeit der Völker, fortsetzen.

ANF: Wie ist die aktuelle Situation jetzt in Kobanê?

Im Stadtzentrum von Kobanê verläuft das Leben normal. Die älteren Menschen, Frauen und Kinder sind in Sicherheit. Zusammenstöße finden 2-3 km außerhalb des Stadtzentrums von Kobanê statt. Tausende von KämpferInnen der YPG leisten nun Widerstand. Auch wenn der IS ins Stadtzentrum von Kobanê eindringt, wird das nicht das Ende vom allem sein. Es wird deren Tod sein, weil wir Kobanê für sie in eine Hölle auf Erden verwandeln werden.

ANF: Was wird in den nächsten Tagen passieren?

Der IS hat auch schon in der Vergangenheit Großangriffe auf den Kanton Cizîre und Serêkaniyê gestartet und ist gar bis zum Stadtzentrum eingedrungen, aber aufgrund des enormen Widerstandes der YPG konnten jedes Mal diese Angriffe erfolgreich zurückgedrängt werden. Selbst wenn der IS in Kobanê eindringen sollte, werden sie auf einen enormen Widerstand stoßen.

ANF: Was ist mit den Frauen und Kindern?

Es wurden schon alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen und Frauen und Kinder wurden in Sicherheit gebracht, um ein drohendes Massaker zu verhindern. Die Zivilisten wurden aus den Gebieten, wo Kämpfe stattfinden, evakuiert.

ANF: Gestern wurden Gerüchte verbreitet wonach die YPG ihre Positionen außerhalb des Stadtzentrums verlassen haben soll.

Das ist nicht wahr. Rückzug und das Wechseln der Position sind meistens Teil der militärischen Taktik. Es sind keine Positionen der YPG an IS gefallen. Wie ich schon erwähnt habe, der Widerstand geht weiter.

ANF: Was ist mit den Verlusten des IS?

Ihre Verluste sind hoher als erwartet. Sie werden ständig mit neuen Waffen und Logistik versorgt. Sie haben jetzt alle ihre Kräfte nach Kobanê beordert.

ANF: Wie ist die Haltung der internationalen Gemeinschaft?

Die internationale Gemeinschaft hat eine Koalition im Kampf gegen den IS gebildet und die Entscheidung zur Intervention getroffen, aber es gab bisher angemessenes Eingreifen. Die internationale Gemeinschaft sollte Beziehungen zu der YPG aufbauen und diese auch unterstützen.

ANF: In der Nacht zum Donnerstag (02.10.) wurden Berichte veröffentlicht, die auf US-Luftangriffe auf IS Stellungen eingingen. Welche Gebiete wurden getroffen? Haben Sie Informationen zu diesen Luftschlägen?

Die Operationen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Gebiete Raqqa, Munbej, Jarablus und Tal Abyad. Es wurden letzte Nacht Stellungen der IS bombardiert und schwere Waffen zerstört. Aber das reicht nicht aus. Wir wollen weitere Unterstützung und Waffen für die YPG.

ANF: Haben Sie eine Botschaft an die Kurden aus anderen Teilen Kurdistans und der Diaspora?

Wir begrüßen unser Volk, welches in allen Bereichen uns unterstützt. Unser Volk in Europa sollte die Mobilisierung verstärken und den Widerstand von Kobanê unterstützen. Die Menschen aus Nordkurdistan leisten an der Grenze zu Kobanê Widerstand und verhindern auf diese Weise größere Angriffe. Allerdings sollte der Widerstand dort verstärkt und ausgeweitet werden. Wir müssen alle im Geiste der nationalen Einheit Widerstand leisten. Das ist der einzige Weg, um eine Befreiung von Kobanê zu gewährleisten.

 

kn/anf

1 KOMMENTAR

  1. SOLIDARITÄT ist die Zärtlichkeit der Völker. Tiefer Respekt den Frauen und Männern, die im Kampf für ihr Land, ihr Volk und für das Leben gegen die verbrecherischen Schergen des des selbsternannten „Kalifat“ stehen! Möge der Widerstand Kraft und Zuversicht bewahren. BERXWEDAN JIYAN E! Solidarische Grüße aus Aachen & Danke für Eure Arbeit.

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