Amed/Cizîr/Gever, Nordkurdistan – In der Türkei und Nordkurdistan hat am Montag das neue Schuljahr 2014/2015 begonnen. Wie jedes Jahr boykottieren auch in diesem Jahr Millionen von kurdischen Kindern eine Woche lang die türkischen Schulen, um so ihrer Forderung nach muttersprachlichem Unterricht Ausdruck zu verleihen. Dieses Jahr wurden zudem in der Provinz Amed und den Landkreisen Cizîr und Gever sogenannte Alternativschulen aufgebaut. In diesen Schulen werden die Kinder in der kurdischen Sprache unterrichtet. Dieser radikale Schritt ist ein historischer Schritt für die Kurdische Sprache, die nach wie vor in der Türkei verboten ist und bisher nur als sogenanntes Wahlfach in der Schule gewählt werden.

Cizîr: Grundschule „Bêrîvan“

Am Montag haben im Landkreis Cizîr in der Provinz Sirnex (tr. Sirnak) die Glocken nicht für den Beginn des Schuljahres der staatlichen Schulen, sondern für die kurdischen Alternativschulen geläutet. Tausende von Menschen haben ihre Kinder nicht in die staatlichen Schulen, sondern in die kurdischen Schulen geschickt. Am frühen Morgen versammelten sich Tausende von Menschen vor der Stadtverwaltung von Cizîr, um anschließend mit einer Demonstration ihrer Forderung nach muttersprachlichem Unterricht Ausdruck zu verleihen. An der Demonstration nahmen der Abgeordnete der HDP (Partei der Demokratischen Völker) Faysal Sariyildiz, die Co- BürgermeisterInnen von Cizîr, VertreterInnen der DTK (Demokratischer Gesellschaftskongress), der Lehrergewerkschaft Egitim-Sen, Friedensmütter und VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Organisationen teil.

Nachdem Verlesen der Pressemitteilung vor dem Amt für Bildung, marschierten Tausende von Menschen in das Stadtteil Nur des Landeskreises Cizîr. Dort wurde die Grundschule ‚Bêrîvan‘ feierlich eröffnet. Die Co- Bürgermeisterin von Cizîr, Leyla Imret, hielt bei der Eröffnung eine Rede und unterstrich folgendes: „Wir haben nun selbst Schulen. In diesen Schulen werden unsere Kinder in ihrer Muttersprache Kurdisch unterrichtet werden. Es ist die Aufgabe jedes Einzelnen diese Schulen zu unterstützen.“ Auch der HDP- Abgeordnete Faysal Sariyildiz betonte, dass die kurdischen Schulen das Ergebnis des Kampfes der kurdischen Bevölkerung nach mehr Selbstbestimmung sind.

Auch in der Provinz Amed wurde zum ersten Mal in der Geschichte eine Grundschule, in der die kurdische Sprache unterrichtet wird, eröffnet. Die Grundschule trägt den Namen Ferzad Kemangar. Bevor die Schule feierlich eröffnet wurde, gab es eine Demonstration mit der Forderung nach muttersprachlichem Unterricht in Nordkurdistan.

An der Demonstration nahmen VertreterInnen der zivilgesellschaftlichen Organisationen, Co- BürgermeisterIn der Stadt Amed sowie Tausende von Menschen teil. Transparente mit den Slogans ‚Unsere Sprache ist unsere Würde‘ und ‚Ohne Sprache können wir nicht leben‘ hoch gehalten. Nach der Demonstration hielt Sakine Esen Yilmaz, Vertreterin der Lehrergewerkschaft Egitim- Sen, eine Rede und kritisierte die Haltung des türkischen Staates bezüglich des muttersprachlichen Unterrichtes wie folgt: „Sollte auf die Forderung nach Unterricht in muttersprachlicher Sprache nicht geantwortet werden und mit sogenannten Wahlfächer die Wünsche der Kurden unterbunden werden, werden die Kurden ihre eigenen Schulen aufbauen.“

Anschließend wurde die Schule eröffnet und mit dem Unterrichten in der kurdischen Sprache in der Schule begonnen.

Auch im Landkreis Gever der Provinz Colemêrg (tr. Hakkari) wurde die Grundschule Dayika Uveys mit einer Demonstration und anschließendem Empfang feierlich eröffnet.

Bei der Eröffnungsfeier waren die beiden Co- BürgermeisterIn des Landkreises Gever, Initiative der Friedensmütter, VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Organisationen und VertreterInnen für die Bildung in kurdischer Sprache (Kurdi-Der) sowie Tausende von anderen Menschen anwesend.

Deniz Bilgin, einer der Vertreter von Kurdi- Der, sagte bei der Eröffnung folgendes: „Das Recht auf Bildung in der Muttersprache ist einer grundlegendsten Rechte und dieses Recht müssen wir einfordern. Heute haben unsere Schule, in der Bildung in der Kurdischen Sprache unterrichtet, mit dem Namen Dayika Uveys eröffnet. Diese Schule ist die Zukunft unserer Kinder.“

Nach der Eröffnung wurde der Unterricht in der Kurdischen Sprache begonnen. Die Schule enthält vier Bibliotheken und zunächst werden 100 SchülerInnen unterrichtet.

Auf der anderen Seite hat die Staatsanwaltschaft der Provinz Amed ein Ermittlungsverfahren zur Schließung der Grundschule Ferzad Kemanger eingeleitet. Obwohl die türkischen Regierung und die kurdische Seite seit mehr als ein Jahr über eine friedliche Lösung der Kurdenfrage verhandeln und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan von ‚historischen Schritten‘ spricht, ist die kurdische Sprache nach wie vor in der Türkei verboten. Am späten Abend des Montags hat die Polizei die Grundschule Ferzad Kemanger in Amed geschlossen.

Am frühen Morgen des Dienstags wurden auch die beiden Grundschulen in Cizîr und Gever von der türkischen Polizei belagert und geschlossen. Gegen die Verantwortlichen der Schule wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

kn/anf

3 KOMMENTARE

  1. Warum schickt Barzani keiner seiner Kämpfer nach Kobane? Warum kann die PKK 1000 Kämpfer bereitstellen? Warum können 300 Jugendliche aus der Türkei nach Kobane gelangen um sich der YPG zu schließen gegen ISIS. Warum beliefert der türkische MIT neuerdings schwere Waffen und unterstützt die Isis in sonstiger Hinsicht. Warum müssen diese Kurden in Kobane so schrecklich leiden wie ihrer Brüder in Schengal? Und wieder schauen wir alle n u r hin und fragen uns, warum kann man diese Menschen (Kurden, Araber, Christen und Jesiden ) nicht helfen?

  2. Das stimmt leider keiner hilft uns jeder schaut nur zu.
    Türkische beliefern und unterstützen die IS das ist das schlimmste jeder wird bald nicht mehr der IS zuschauen. Wir danken der USA das die mit ihren Luftwaffen uns geholfen haben. Keiner soll weinen und traurig sein “WIR WERDEN ES SCHAFFEN.“

  3. HOLA HOLA PKK U YPG
    DIE UNS NICHT ALLEIN E GELASSEN HABEN UND GEHOLFEN HABEN
    DEN MUT NICHT VERLOREN HABEN UND GEKÄMPFT IMMER NOCH AM KÄMPFEN SIND

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